Dauer, Anordnungsbeziehungen, Einschränkungen und Pufferzeiten können die Art und Weise beeinflussen, in der Microsoft Project die Terminplanung vornimmt.
Dauer
Die Dauer eines Vorgangs ist die Gesamtsumme der Arbeitszeiten, die zu seiner Erledigung erforderlich sind. Diese Zeiten können in Minuten, Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten eingegeben werden. Schätzen und Eingeben präziser Zeiten für die Dauer von Vorgängen ist eines der wichtigsten Dinge, die Sie tun können, um eine nutzbringende Terminplanung zu gestalten. Die Dauer eines Vorgangs dient dazu, Anfangs- und Endtermine des Vorgangs sowie nach Zuweisung von Ressourcen den für den Vorgang erforderlichen Arbeitsaufwand zu berechnen.
Wenn Sie einen Vorgang eingeben, ohne dessen Dauer festzulegen, berechnet Microsoft Project die Dauer anhand der Anfangs- und Endtermine des Vorgangs und markiert das Ergebnis als Schätzwert, angezeigt durch ein Fragezeichen hinter dem Wert für die Dauer. Geschätzte Dauern werden nicht anders berechnet als normale Dauern. Ihre Kennzeichnung macht Sie nur darauf aufmerksam, dass die Berechnung ihrer Werte auf anderen Informationen über einen Vorgang fußen. Jede Dauer ist so lange als geschätzt markiert, bis Sie einen Wert für die Dauer eingeben. Beispielsweise zeigt Microsoft Project 2t? an, wenn Sie als Anfangstermin den 1. September und als Endtermin den 2. September eingeben. Sobald Sie aber explizit 3tfür die Dauer eingeben, verschwindet das Fragezeichen. Sie können eine geschätzte Dauer auch explizit als solche kennzeichnen, indem Sie hinter die bereits eingegebene Dauer ein Fragezeichen eingeben. Schließlich können Sie die geschätzte Dauer eines Vorgangs durch einen anderen Wert ersetzen oder das Fragezeichen entfernen, wenn Ihnen genauere Informationen bekannt werden.
In Microsoft Project finden zwei Arten von Dauern Verwendung, die allerdings unterschiedlich berechnet werden:
- Dauern Gesamtsumme der Arbeitszeiten, die zur Erledigung eines Vorgangs erforderlich sind. Dauern werden standardmäßig in Tagen repräsentiert, doch Sie können Dauern auch in Minuten (Min.), Stunden (Std.), Wochen (w) oder Monaten (Mon.) eingeben. Bei der Eingabe einer in Tagen berechneten Dauer kalkuliert Microsoft Project die Termine eines Vorgangs auf Grundlage der Standardzahl von Arbeitsstunden pro Tag (8 Stunden). Zusammen mit anderen vorgangsbezogenen Informationen wie Kalendern und Ressourcenzuweisungen bestimmt die Dauer den Anfangs- und Endtermin eines Vorgangs.
Microsoft Project lässt den Vorgang um 8:00 Uhr beginnen, der Standardanfangszeit des Standardprojektkalenders, und zählt dann die Anzahl von Stunden dazu, die mit der Dauer des Vorgangs gegeben sind, um Endtermin und Endzeit des Vorgangs zu berechnen. Microsoft Project kalkuliert die Dauer von Vorgängen durch Zusammenzählen der Arbeitszeiten zwischen geplantem Anfangs- und Endtermin, wobei die Unterbrechungszeiten eines Vorgangs nicht mitgerechnet werden. Als Beispiel sei ein Vorgang gegeben, der am Freitag den 2. September beginnt und eine Dauer von 2 Tagen hat. Eine Dauer von 2 Tagen entspricht 16 Stunden. Gemäß den Standardeinstellungen des Standardprojektkalenders (8 Arbeitsstunden pro Tag) sind Wochenenden arbeitsfreie Zeit und jeder Arbeitstag ist 8 Stunden lang. Als Endtermin des Vorgangs wird Montag der 5. September, 17:00 Uhr berechnet.
- Fortlaufende Dauern Diese Werte wirken sich auf die Anfangs- und Endtermine von Vorgängen anders aus als normale oder geschätzte Dauern. Fortlaufende Dauern ignorieren Arbeitszeiten und arbeitsfreie Zeiten aller Kalender und Ressourcenzuweisungen. Sie verplanen Vorgänge rund um die Uhr, belegen also 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche, bis diese Vorgänge beendet sind. Fortlaufende Dauern ignorieren bei der Zeitbestimmung auch die Terminplanungseinstellungen im Dialogfeld Optionen und berechnen stattdessen für jeden Tag der fortlaufenden Dauer 24 Stunden.
Fortlaufende Dauern erweisen sich als nützlich für Prozesse, die nicht mehr gestoppt werden können, sobald sie gestartet wurden, beispielsweise die Zeitperiode, die es braucht, bis Zement trocknet, nachdem er gegossen wurde. Eine fortlaufende Dauer wird bestimmt, indem vor der Zeiteinheit für die Dauer ein f eingegeben wird, beispielsweise 4ft für 4 fortlaufende Tage. Sammelvorgänge zeigen keine fortlaufenden Dauern an, da sie die gesamte Spanne der Arbeitszeiten vom Beginn des frühesten bis zum Ende des spätesten Teilvorgangs umfassen.
Ein Vorgang kann auch in Teile mit unterschiedlichen Dauern zerlegt werden, falls er nicht ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden kann. Die Dauer des Vorgangs ist dann immer noch ein Wert, der sich auf den gesamten Vorgang bezieht, aber jedes Stück des unterbrochenen Vorgangs wird inkrementell verplant. Es gibt zwei Situationen, in denen die Dauer durch Unterbrechung des Vorgangs beeinflusst wird:
- Wird ein Vorgang mit einer fortlaufenden Dauer unterbrochen, erfolgt eine Neuberechnung der Dauer unter Einbeziehung der fortlaufenden Dauer vom Beginn des ersten Teilvorgangs bis zum Ende des letzten Teilvorgangs.
- Wird ein Vorgang mit fester Dauer unterbrochen, erfolgt eine Neuberechnung der Dauer, wobei vom Beginn des ersten Teilvorgangs bis zum Ende des letzten Teilvorgangs gezählt wird, ohne jedoch arbeitsfreie Zeiten und Unterbrechungszeiten mitzurechnen.
Anordnungsbeziehungen
Eine Anordnungsbeziehung bezeichnet das Verhältnis (bzw. die Verknüpfung) zwischen zwei Vorgängen, in welchem der Anfang oder das Ende des nachfolgenden Vorgangs vom Anfang oder Ende des vorhergehenden Vorgangs abhängt. Wenn Sie eine Verknüpfung zwischen zwei Vorgängen erstellen, berechnet Microsoft Project die Anfangs- und Endtermine des Nachfolger-Vorgangs, die Art der Abhängigkeit, die Dauer des Nachfolger-Vorgangs sowie alle Ressourcenzuweisungen.
Sie können in Microsoft Project Vorgänger- und Nachfolger-Vorgänge durch 4 verschiedene Arten von Anordnungsbeziehungen miteinander verknüpfen. Das Wesen der Abhängigkeit zwischen Vorgänger und Nachfolger bestimmt den Typ der zu verwendenden Anordnungsbeziehung. Anordnungsbeziehungen lassen sich auch zwischen Vorgängen stiften, die zu unterschiedlichen Projekten gehören.
| Anordnungsbeziehung |
Beispiel |
Beschreibung |
| Ende-Anfang (EA) |
|
Vorgang (B) kann nicht starten, bevor Vorgang (A) nicht endet. Wenn Sie beispielsweise zwei Vorgänge "Zaun errichten" und "Zaun streichen" haben, kann "Zaun streichen" erst beginnen, wenn "Zaun errichten" endet. Dies ist die am häufigsten anzutreffende Art von Abhängigkeit. |
| Anfang-Anfang (AA) |
|
Vorgang (B) kann nicht starten, bevor Vorgang (A) nicht startet. Sie haben zwei Vorgänge, "Fundament gießen" und "Beton richten". "Beton richten" kann nicht beginnen, bevor nicht "Fundament gießen" beginnt. |
| Ende-Ende (EE) |
|
Vorgang (B) kann nicht enden, bevor Vorgang (A) nicht endet. Wenn Sie beispielsweise zwei Vorgänge "Leitungen legen" und "Installation prüfen" haben, kann "Installation prüfen" erst enden, wenn "Leitungen legen" endet. |
| Anfang-Ende (AE) |
|
Vorgang (B) kann nicht enden, bevor Vorgang (A) nicht startet. Diese Art von Abhängigkeit kann zur "Just-In-Time"-Planung bis hin zu einem Meilenstein oder dem Projektende verwendet werden, um das Risiko zu minimieren, dass ein Vorgang verspätet endet, wenn seine von ihm abhängigen Vorgänge überfällig sind. Wenn ein zugehöriger Vorgang vor einem Meilenstein oder dem Endtermin des Projekts enden muss, der genaue Zeitpunkt aber keine Rolle spielt (und Sie nicht möchten, dass ein verspätetes Ende den "Just-In-Time"-Vorgang beeinträchtigt), können Sie eine AE-Abhängigkeit zwischen dem "Just-In-Time"-Vorgang (dem Vorgänger), und dem abhängigen Vorgang (dem Nachfolger) festlegen. Wenn Sie dann Fortschritte des Nachfolger-Vorgangs eintragen, wird dies keine Auswirkungen auf die geplanten Termine des Vorgängers haben. |
Einschränkungen
Wenn Sie den Anfangs- oder Endtermin eines Vorgangs steuern müssen, können Sie dem Vorgang eine Einschränkung hinzufügen. Flexible Einschränkungen lassen sich mit Anordnungsbeziehungen kombinieren, um einen Vorgang so früh oder so spät stattfinden zu lassen, wie es die Anordnungsbeziehung erlaubt. Beispielsweise beginnt ein Vorgang mit einer SFWM-Einschränkung und einer EA-Abhängigkeit, sobald der Vorgänger-Vorgang endet.
Einschränkungen mit moderater Planungsflexibilität verhindern, dass ein Vorgang vor oder nach einem von Ihnen gewählten Datum startet oder endet. So kann beispielsweise ein Vorgang mit einer "Anfang nicht später als"-Einschränkung (ANSA) für den 15. Juni und einer EA-Beziehung zu einem anderen Vorgang jederzeit (bis einschließlich zum 15. Juni) beginnen, sofern sein Vorgänger beendet ist, aber er kann nicht in den Zeitraum nach dem 15. Juni gelegt werden.
Inflexible Einschränkungen überschreiben alle Anordnungsbeziehungen und beschränken einen Vorgang auf einen von Ihnen gewählten Termin. So wird ein Vorgang mit einer "Muss anfangen am"-Einschränkung (MAA) für den 30. September und einer EA-Beziehung zu einem anderen Vorgang immer den 30. September als Anfangstermin zugewiesen erhalten, unabhängig davon, ob sein Vorgänger früher oder später endet.
Wenn ein auf ein Datum beschränkter Vorgang einen Vorgänger besitzt, der zu spät endet, als dass der Nachfolger noch rechtzeitig zum in der Einschränkung angegebenen Termin beginnt, kann eine negative Pufferzeit eintreten. Um festzulegen, dass die Terminplanung von Vorgängen mit Einschränkungen und negativer Pufferzeit entsprechend ihrer Anordnungsbeziehungen (und nicht nach Maßgabe ihrer Einschränkungstermine) erfolgt, klicken Sie im Menü Extras auf Optionen und dann auf die Registerkarte Terminplan. Deaktivieren Sie das Kontrollkästchen Vorgänge beachten stets ihre Einschränkungstermine.
| Art der Einschränkung |
Auswirkung auf die Terminplanung |
Beschreibung |
| So Früh Wie Möglich (SFWM) |
Flexibel |
Mit dieser Einschränkung legt Microsoft Project unter Berücksichtigung der anderen gegebenen Parameter den Vorgang auf den frühestmöglichen Zeitraum. Dem Vorgang werden keine weiteren Terminbeschränkungen auferlegt. Dies ist die Standardeinschränkung für neu angelegte Vorgänge in Projekten, deren Terminplanung auf Grundlage des Anfangstermins erfolgt. |
| So Spät Wie Möglich (SSWM) |
Flexibel |
Mit dieser Einschränkung legt Microsoft Project unter Berücksichtigung der anderen gegebenen Parameter den Vorgang auf den spätestmöglichen Zeitraum. Dem Vorgang werden keine weiteren Terminbeschränkungen auferlegt. Dies ist die Standardeinschränkung für neu angelegte Vorgänge in Projekten, deren Terminplanung auf Grundlage des Endtermins erfolgt. |
| Ende Nicht Später Als (ENSA) |
Moderat |
Diese Einschränkung gibt den spätestmöglichen Termin an, zu dem dieser Vorgang abgeschlossen sein soll. Der Vorgang kann so geplant werden, dass er zum angegebenen Termin oder vorher endet. Ein Vorgänger wäre nicht in der Lage, einen Nachfolger mit einer ENSA-Einschränkung über den Einschränkungstermin hinaus zu verdrängen. Bei Projekten, die auf Grundlage des Endtermins geplant werden, kommt diese Einschränkung zur Anwendung, wenn Sie einen Endtermin für einen Vorgang eingeben. |
| Anfang Nicht Später Als (ANSA) |
Moderat |
Diese Einschränkung gibt den spätestmöglichen Termin an, zu dem dieser Vorgang beginnen soll. Der Vorgang kann so geplant werden, dass er zum angegebenen Termin oder vorher beginnt. Ein Vorgänger wäre nicht in der Lage, einen Nachfolger mit einer ANSA-Einschränkung über den Einschränkungstermin hinaus zu verdrängen. Bei Projekten, die auf Grundlage des Endtermins geplant werden, kommt diese Einschränkung zur Anwendung, wenn Sie einen Anfangstermin für einen Vorgang eingeben. |
| Ende Nicht Früher Als (ENFA) |
Moderat |
Diese Einschränkung gibt den frühestmöglichen Termin an, zu dem dieser Vorgang abgeschlossen sein soll. Der Vorgang kann nicht derart geplant werden, dass er vor dem angegebenen Termin endet. Bei Projekten, die auf Grundlage des Anfangstermins geplant werden, kommt diese Einschränkung zur Anwendung, wenn Sie einen Endtermin für einen Vorgang eingeben. |
| Anfang Nicht Früher Als (ANFA) |
Moderat |
Diese Einschränkung gibt den frühestmöglichen Termin an, zu dem dieser Vorgang beginnen soll. Der Vorgang kann nicht derart geplant werden, dass er vor dem angegebenen Termin beginnt. Bei Projekten, die auf Grundlage des Anfangstermins geplant werden, kommt diese Einschränkung zur Anwendung, wenn Sie einen Anfangstermin für einen Vorgang eingeben. |
| Muss Anfangen Am (MAA) |
Inflexibel |
Diese Einschränkung gibt den genauen Termin an, zu dem dieser Vorgang beginnen muss. Andere Terminplanungsparameter wie z. B. Anordnungsbeziehungen, negativer oder positiver Zeitabstand, Kapazitätsabgleich und Verzögerung können die Terminplanung des Vorgangs nicht beeinflussen, es sei denn, diese Voraussetzung ist gegeben. |
| Muss Enden Am (MEA) |
Inflexibel |
Diese Einschränkung gibt den genauen Termin an, zu dem dieser Vorgang abgeschlossen sein muss. Andere Terminplanungsparameter wie z. B. Anordnungsbeziehungen, negativer oder positiver Zeitabstand, Kapazitätsabgleich und Verzögerung können die Terminplanung des Vorgangs nicht beeinflussen, es sei denn, diese Voraussetzung ist gegeben. |
Pufferzeit
Kritische Vorgänge haben keine Pufferzeiten, nichtkritische Vorgänge hingegen besitzen Pufferzeiten, was bedeutet, dass ihre Anfangs- und Endzeiten verzögert werden können, ohne dadurch den Beginn irgendwelcher nachfolgender Vorgänge zu beeinträchtigen. "Freie Pufferzeit" ist die Zeit, um die ein Vorgang sich verspäten kann, bevor er einen anderen Vorgang verzögert. "Gesamtpufferzeit" ist die Zeit, um die ein Vorgang sich verspäten kann, bevor er den Endtermin des Projekts verzögert. Wenn die gesamte Pufferzeit negativ ist, bedeutet dies, dass der Vorgang zu lange dauert, als dass sein Nachfolger zu dem von einer Einschränkung diktierten Termin beginnen kann, oder es bedeutet, dass für einen Nachfolger konkrete Anfangs- und Endtermine oder eine reale Dauer eingegeben wurden, die in Konflikt mit dem Einschränkungstermin stehen.
Wenn ein nichtkritischer Vorgang seine Pufferzeit verbraucht, bewirkt dies in der Regel, dass auch dessen Nachfolger seine gesamte Pufferzeit teilweise oder insgesamt verbraucht. Der Vorgang wird darüber zu einem kritischen Vorgang und veranlasst seinen eigenen Nachfolger ebenfalls, zu einem kritischen Vorgang zu werden, sobald dessen gesamte Pufferzeit auf Null geht.
Die gesamte Pufferzeit wird als das Minimum der Differenz zwischen spätesten und frühesten Anfangstermin und der Differenz zwischen spätesten und frühesten Endtermin berechnet. Die kleinere der beiden Differenzen ist gerade die Gesamtpufferzeit.
Sie können die Kriterien, welche einen kritischen Vorgang definieren, insofern anpassen, als Sie festlegen können, wie wenig Pufferzeit er noch haben darf, bevor er als kritisch gilt. Dieser Wert lässt sich im Feld Vorgänge sind kritisch, falls Puffer kleiner oder gleich auf der Registerkarte Calculation des Dialogfeldes Optionen (Menü Extras) setzen.
Anmerkung Wenn Sie mehrere kritische Wege anzeigen, ändert Microsoft Project die Berechnung des kritischen Weges, so dass für jeden Vorgang ohne Nachfolger dessen spätester Endtermin auf dessen frühesten Endtermin gesetzt wird, was dazu führt, dass die Pufferzeit des Vorgangs auf Null zurückgeführt und der Vorgang selbst zu einem kritischen wird. Umgekehrt setzt Microsoft Project bei Anzeige eines einzelnen kritischen Weges den spätesten Endtermin eines Vorgangs ohne Nachfolger auf den Endtermin des Projekts, was den Vorgang mit Pufferzeit ausstattet und ihn zu einem nichtkritischen Vorgang werden lässt.